Ab in die Pen­si­on – Oh­ne bö­se Überraschungen

So stellt man sich ei­ne wohl­ver­dien­te Pen­sio­nie­rung vor: Das Bud­get für die kom­men­den Jah­re ist er­stellt, die Har­ley-Da­vid­son oder der Cam­per ge­kauft und der Be­trieb samt Lie­gen­schaft ab­ge­stos­sen. Doch dann kommt‘s: ein Schrei­ben der Steu­er­ver­wal­tung mit ei­ner saf­ti­gen Rech­nung. Aber wie kommt es dazu?

In der Schweiz gibt es rund 2‘500 Bä­cke­rei­en, Kon­di­to­rei­en und Con­fi­se­ri­en. Vie­le die­ser Be­trie­be wer­den als Ein­zel­fir­ma ge­führt. Und nicht we­ni­ge von ih­nen sind eben­falls im Be­sitz ei­ner Ge­schäfts­lie­gen­schaft. Ge­ra­de die­se Ge­schäfts­lie­gen­schaft kann bei Per­so­nen, wel­che ih­ren Be­trieb auf­ge­ben (müs­sen), zu bö­sen Über­ra­schun­gen füh­ren. Da es in der heu­ti­gen Zeit im­mer schwie­ri­ger wird ei­nen ge­eig­ne­ten Nach­fol­ger zu fin­den, ist lei­der nicht der Be­triebs­ver­kauf der Re­gel­fall, son­dern die Auf­ga­be des Be­triebs – und ge­nau hier liegt die Krux.

Wenn ein Selb­stän­di­g­er­wer­ben­der sei­nen Be­trieb in sei­nem ei­ge­nen Ge­bäu­de führt, ge­hört die­ses Ge­bäu­de au­to­ma­tisch zum Ge­schäfts­ver­mö­gen. Wenn der Bäcker/Confiseur sei­ne Tä­tig­keit in­fol­ge Pen­sio­nie­rung auf­gibt, kann aus steu­er­li­cher Sicht das Ge­schäfts­ver­mö­gen nicht fort­be­stehen. Die­ses wird dar­um bei der Ge­schäfts­auf­ga­be vom Ge­schäfts- ins Pri­vat­ver­mö­gen über­führt. Die­se Über­füh­rung löst im Re­gel­fall au­to­ma­tisch Steu­er- und So­zi­al­ver­si­che­rungs­fol­gen aus. 

Was fällt an?

Wie teu­er die un­ge­woll­te Ge­schäfts­auf­ga­be den künf­ti­gen Pen­sio­nier­ten zu ste­hen kommt, ist sehr in­di­vi­du­ell. Ver­ein­facht kön­nen je­doch die­se Kos­ten wie folgt be­stimmt werden:

  • Wenn ein Selb­stän­di­g­er­wer­ben­der die Lie­gen­schaft an ei­nen Nach­fol­ger ver­kauft, un­ter­liegt der Ge­winn aus Ver­äus­se­rung, d.h. die Dif­fe­renz zwi­schen dem Wert in der Buch­hal­tung (Buch­wert) und dem Ver­kaufs­preis, den Steu­ern und den So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben. 
  • Wenn der Selb­stän­di­g­er­wer­ben­de hin­ge­gen sein Ge­schäft auf­gibt und die Lie­gen­schaft vom Ge­schäfts- ins Pri­vat­ver­mö­gen über­führt, ist ei­ne an­de­re Be­steue­rungs­ba­sis mass­ge­bend. Steu­ern und So­zi­al­ver­si­che­run­gen sind auf der Dif­fe­renz zwi­schen Buch­wert und dem Ver­kehrs­wert zu be­zah­len. Die­ser Ver­kehrs­wert ist je­ner Wert, wel­cher im Fal­le ei­nes po­ten­ti­el­len Ver­kaufs er­zielt wer­den könnte.

Und je nach Schät­zung kön­nen die Ab­ga­ben mas­siv un­ter­schied­lich sein, wo­bei kei­nes­falls mehr ein­ge­nom­men wird.

Früh­zei­tig in­for­mie­ren und verhandeln

Es ist für je­den Selb­stän­di­gen un­ab­ding­bar, sich früh ge­nug mit den Mass­nah­men und den steu­er­li­chen Fol­gen sei­ner Pen­sio­nie­rung aus­ein­an­der­zu­set­zen so­wie mit den Steu­er­be­hör­den Kon­takt auf­zu­neh­men. Mit letz­te­ren gilt es zu ver­ein­ba­ren, zu wel­chem Wert die Lie­gen­schaft vom Ge­schäfts­ver­mö­gen ins Pri­vat­ver­mö­gen über­führt wird. Bei die­sen Ge­sprä­chen und Ver­hand­lun­gen ist es wich­tig, der Steu­er­ver­wal­tung sach­li­che und nach­voll­zieh­ba­re Grün­de zu nen­nen, wes­halb der Ver­kehrs­wert tie­fer aus­fal­len sollte.

Fun­diert argumentieren

Ein Bei­spiel aus der Pra­xis: Der Kun­de plan­te die Ge­schäfts­auf­ga­be und da­mit ver­bun­den die Über­füh­rung der Ge­schäfts­lie­gen­schaft ins Pri­vat­ver­mö­gen. Die Spe­zia­lis­ten der SBC Treu­hand AG er­hiel­ten den Auf­trag, den Ver­kehrs­wert und da­mit die mass­ge­ben­de Ba­sis für die Be­steue­rung fest­zu­le­gen. Hier­zu lies­sen sie durch ei­nen un­ab­hän­gi­gen Ex­per­ten ein Ver­kehrs­wert­gut­ach­ten er­stel­len. Die Steu­er­ver­wal­tung hielt trotz die­sem dar­an fest, dass der be­an­trag­te Über­füh­rungs­wert von CHF 800‘000 auf CHF 1‘000‘000 er­höht wer­den soll. Die Steu­er­ver­wal­tung be­zog sich auf die un­ter­schied­li­chen Be­rech­nungs­me­tho­den: Sie hat­ten sich auf die Ver­gleichs­me­tho­de ab­ge­stützt und SBC Treu­hand AG auf die Er­trags­wert­me­tho­de – wel­che so nicht an­er­kannt wer­den kön­ne. Ver­gleichs­me­tho­de be­deu­tet, dass der Ver­kehrs­wert der Lie­gen­schaft auf­grund von Ver­äus­se­rungs­prei­sen ver­gleich­ba­rer Ob­jek­te aus der je­wei­li­gen Re­gi­on be­stimmt wird. 

In der Fol­ge ha­ben die Spe­zia­lis­ten der SBC Treu­hand die An­ga­ben zu den her­an­ge­zo­ge­nen Ver­gleichs­ob­jek­ten ein­ver­langt und fest­ge­stellt, dass die Steu­er­ver­wal­tung ei­ne in die­sem Fall un­ge­nü­gen­de An­zahl an Ver­gleichs­ob­jek­ten her­bei­ge­zo­gen hat­te und die­se so­mit nicht re­prä­sen­ta­tiv und auch nicht zu­läs­sig war. Mit wei­te­ren Ar­gu­men­ten hin­sicht­lich Grund­riss, La­ge, etc. konn­te er­reicht wer­den, dass die kan­to­na­le Steu­er­ver­wal­tung nach ei­ner noch­ma­li­gen Prü­fung des Sach­ver­hal­tes den be­an­trag­ten Wert als Über­füh­rungs­wert ak­zep­tier­te – was ei­ne Re­duk­ti­on der Ab­ga­ben von rund CHF 33‘000 ausmachte.